Es ist wohl beinahe einmalig, wie sich der gerade erst amtlich als Gemeinde bestätigte
Ort innerhalb von wenigen Jahren entwickelte. Die Volkszählung von 1933 wies eine Bevölkerung
von 353 Männern, Frauen und Kindern aus.
Nur sechs Jahre später spricht ein Artikel in der "Havelländischen Rundschau"
("Vom Vorwerk zur Großsiedlung", 24.06.1939 ebenda) von über 6000 Einwohnern.
Und wie kam es zu diesem unglaublichen Aufschwung???
Die Heinkel-Flugzeugwerke in Rostock hatten einen geeigneten Standort für eine neue,
wesentlich größere Produktionsstätte gesucht. Für alle Eingeweihten, also auch die
Vertreter der Rüstungsindustrie, war der kommende Krieg längst eine beschlossene Sache.
Welche Anforderungen hatte der zukünftige Standort also wohl zu erfüllen?
Genügend freier Raum mußte vorhanden sein, zum Beispiel Wiesen oder Brachflächen.
Die Infrastruktur war natürlich auch wichtig, also dichte Anbindung an Eisenbahnen,
Straßen, Autobahn, Wasserwege.
In unmittelbarer Umgebung mußten möglichst viele Arbeitskräfte zur Verfügung stehen;
und es mußte Platz sein, um sie unterzubringen.
Vor allem aber war auch die Nähe zu den militärischen Machtzentren des Reiches von
Interesse - und die ballten sich ja im Raum zwischen Berlin und Potsdam.
Die Wahl fiel daher auf Leegebruch, das mit seinem Umland alle Voraussetzungen
bestens erfüllte. Platz war genug, und so mancher Bauer im Raum Velten - Leegebruch
- Vehlefanz - Germendorf hat wohl einen guten Preis für Land erzielt, das er selbst gar
nicht nutzen konnte oder wollte.
Menschen ohne Arbeit gab es im Umkreis dieses Industriezentrums sicher auch
genügend; die Spezialisten wurden ohnehin von überall geholt, sogar aus den USA.
Das Straßennetz war ziemlich dicht, die "Autobahn" führte direkt am Ort vorbei, zum
nächsten Bahnhof in Oranienburg wurde eine Zubringerstrecke errichtet, und selbst auf
dem Wasser konnte man von hier aus mühelos bis Hamburg oder Dresden kommen.
Berlin lag direkt vor der Haustür, und auch in Hennigsdorf und Oranienburg war kriegswichtige
Industrie ansässig. In der Kreisstadt gab es sogar kostenlose Arbeitskräfte,
denn das erste Konzentrationslager existierte schon ganz in der Nähe, in Sachsenhausen, bei Oranienburg.
All das, zusammen mit noch anderen Hintergründen, die dem Chronisten im einzelnen
nicht bekannt sind, hat dann schließlich den Ausschlag dafür gegeben, daß aus einem
winzigen Dörfchen jene Wohnanlage entstand, deren Existenz heute noch das Gesicht
des Ortes prägt.
Mit heute nur schwer nachvollziehbarer Energie und einem hohen Tempo wurde in den
Jahren zwischen 1936 und 1939 tatsächlich eine Großsiedlung gleichsam "aus dem Boden gestampft".
( Quelle: Chronik von Leegebruch, erstellt von V. Potyka 1993/94 )
- 18. Juni 1938 wird das neue Schulgebäude eingeweiht.
Von den Nationalsozialisten wurde diese nach dem Piloten des ersten Weltkrieges Richthofen benannt.
Die alte Schule wurde fortan durch Jugendorganisationen, Parteien und Vereine genutzt.
|