Die Heinkel-Flugzeugwerke in Rostock hatten einen geeigneten Standort für eine neue,
wesentlich größere Produktionsstätte gesucht. Für alle Eingeweihten, also auch die
Vertreter der Rüstungsindustrie, war der kommende Krieg längst eine beschlossene
Sache.
Welche Anforderungen hatte der zukünftige Standort also wohl zu erfüllen?
Genügend freier Raum mußte vorhanden sein, zum Beispiel Wiesen oder Brachflächen.
Die Infrastruktur war natürlich auch wichtig, also dichte Anbindung an Eisenbahnen,
Straßen, Autobahn, Wasserwege.
In unmittelbarer Umgebung mußten möglichst viele Arbeitskräfte zur Verfügung stehen; und es mußte Platz sein, um sie unterzubringen. Vor allem aber war auch die Nähe zu den militärischen Machtzentren des Reiches von Interesse - und die ballten sich ja im Raum zwischen Berlin und Potsdam.
Die Wahl fiel daher auf Leegebruch, das mit seinem Umland alle Voraussetzungen bestens erfüllte. Platz war genug, und so mancher Bauer im Raum Velten - Leegebruch - Vehlefanz - Germendorf hat wohl einen guten Preis für Land erzielt, das er selbst gar nicht nutzen konnte oder wollte.
Menschen ohne Arbeit gab es im Umkreis dieses Industriezentrums sicher auch
genügend; die Spezialisten wurden ohnehin von überallher geholt, sogar aus den USA.
Das Straßennetz war ziemlich dicht, die Autobahn führte direkt am Ort vorbei, zum
nächsten Bahnhof in Oranienburg wurde eine Zubringerstrecke ( die "Heinkelchaussee") errichtet,
und selbst auf dem Wasser konnte man von hier aus mühelos bis Hamburg oder Dresden
kommen.
Berlin lag direkt vor der Haustür, und auch in Hennigsdorf und Oranienburg
war kriegswichtige Industrie ansässig. In der Kreisstadt gab es sogar kostenlose
Arbeitskräfte, denn das erste Konzentrationslager existierte schon ganz in der Nähe,
in Sachsenhausen, bei Oranienburg.

Die eigentliche Zielsetzung
"Da das Stammwerk im Schritt mit der aufblühenden Luftfahrt schon bisher stürmisch
gewachsen war, galt es, den Weg zu einer organischen Raumausweitung zu finden.
Die Untersuchung des Problems, die zunächst nur auf eine mehr oder weniger
umfangreiche Teillösung zielte, führte schließlich zu dem Entschluß, ein völlig
neues Werk zu bauen, dessen Selbständigkeit durch einen eigenen Flugplatz und
eigene Wohnsiedlungen garantiert werden sollte.
Dem geplanten neuen Werk war die Aufgabe zugedacht, als erste Maschine das
Heinkel-Schnellflugzeug He 111 in Serienbau herzustellen. Die Maschine sollte
zunächst als Passagier- und Frachtflugzeug im Dienste der Lufthansa stehen,
in weitaus größerer Zahl aber als neues, schnelles Kampfflugzeug für die
wiedererstehende deutsche Luftwaffe gebaut werden.
Diese Maschine war ein zweimotoriges Ganzmetallflugzeug, das in Schalenbauweise hergestellt wurde, dessen Leichtmetallbeplankung also selbst statisch wirksam ist und die anfallenden Kräfte aufnimmt."

Nur darum ging es letzten Endes, um die He 111, die von vornherein als ein
wesentlicher Faktor in der Luftwaffe konzipiert war, und zwar für den Angriff.
Daher spielte ja die Schnelligkeit eine so wesentliche Rolle, auch wenn sie
zunächst mit Diensten im zivilen Flugverkehr begründet wurde.
Kein Wunder also, wenn von den Siedlern der neuen Werkssiedlung eine durch
und durch "reine Weste" verlangt wurde. Militärspionage war in diesen Jahren
ein ständig drohender Schatten, sie wurde auch von allen führenden Mächten der
Welt emsig betrieben.
( Quelle: Chronik von Leegebruch, erstellt von V. Potyka 1993/94 )